Droste-Forschung

Historisch-kritische Ausgabe

Werbeprospekt des Niemeyer-Verlages

Annette von Droste-Hülshoff. Historisch-kritische Ausgabe. Werke. Briefwechsel. Hrsg. von Winfried Woesler. Tübingen: Niemeyer 1978 - 2000.

Nach über 20-jähriger Forschungsarbeit liegt die Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke und Briefe von Annette von Droste-Hülshoff jetzt vollständig vor. Insgesamt 28 Teilbände sind in der von dem Osnabrücker Germanisten Winfried Woesler herausgegebenen Edition zwischen 1978 und 2000 erschienen.

 

 

 

Bandaufteilung

I,1: Gedichte zu Lebzeiten, Text / Dr.W.Theiß / 1985
I,2: Gedichte zu Lebzeiten, Dokumentation I / Dr.W.Theiß / 1997
I,3: Gedichte zu Lebzeiten, Dokumentation II / Dr.W.Theiß / 1998

II,1: Gedichte aus dem Nachlaß, Text / Dr.B.Kortländer / 1993
II,2: Gedichte aus dem Nachlaß, Dokumentation / Dr.B.Kortländer / 1998

III,1: Epen, Text / Prof.Dr.L.Jordan / 1980
III,2: Epen, Dokumentation / Prof.Dr.L.Jordan / 1991

IV,1: Geistliche Dichtung, Text / Prof.Dr.W.Woesler / 1980
IV,2: Geistliche Dichtung, Dokumentation / Prof.Dr.W.Woesler / 1992

V,1: Prosa, Text / Dr.W.Huge / 1978
V,2: Prosa, Dokumentation / Dr.W.Huge / 1984

VI,1: Dramatische Versuche, Text / Dr.S.Berning / 1982
VI,2: Dramatische Versuche, Dokumentation / Dr.E.Blakert / 2000

VII: Literarische Mitarbeit, Aufzeichnungen, Biographisches / Dr.O.Niethammer / 1998

VIII,1: Droste-Briefe 1805-1838, Text / Dr.W.Gödden / 1987
VIII,2: Droste-Briefe 1805-1838, Kommentar / Dr.W.Gödden / 1990

IX,1: Droste-Briefe 1839-1842, Text / Dr.W.Gödden, Dr.I.-M.Barth / 1993
IX,2: Droste-Briefe 1839-1842, Kommentar / Dr.J.Grywatsch / 1997

X,1: Droste-Briefe 1843-1848, Text / Prof.Dr.W.Woesler / 1992
X,2: Droste-Briefe 1843-1848, Kommentar / Prof.Dr.W.Woesler / 1996

XI,1: An-Briefe 1809-1840, Text / Prof.Dr.B.Plachta / 1994
XI,2: An-Briefe 1809-1840, Kommentar / Prof.Dr.B.Plachta / 1996

XII,1: An-Briefe 1841-1848, Text / S.Thürmer / 1995
XII,2: An-Briefe 1841-1848, Kommentar / S. Thürmer / 2000

XIII,1: Musikalien, Text / Dr.A.Kansteiner / 1986
XIII,2: Musikalien, Dokumentation / Dr.A.Kansteiner / 1988

XIV,1: Bibliographie, 1.Teil / Dr.A.Haverbusch / 1983
XIV,2: Bibliographie, 2.Teil / Dr.A.Haverbusch / 1985


Allgemeine Informationen

Die Traditon der wissenschaftlichen Erforschung des Lebens und Werks von Annette von Droste-Hülshoff in Münster reicht bis Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Sie ist eng mit den Namen Julius Schwering, Karl Schulte Kemminghausen und Clemens Heselhaus verbunden. Grundlage der regen Forschungstätigkeiten war zunächst die von Wilhelm Kreiten veranstaltete Gesamtausgabe der Droste-Werke (1884-1887). In den 1920er Jahren gab Karl Schulte Kemminghausen eine vierbändige Werkausgabe (1925-1930) heraus und sorgte auch für die erste Gesamtausgabe der Briefe der Droste (1944). Nach dem Krieg waren die Droste-Texte in der von Clemens Heselhaus veranstalteten Edition (1952) verbreitet. Alle diese Unternehmungen waren in ihrer Zeit verdienstvoll, wiesen jedoch aus unterschiedlichen Gründen verschiedene Mängel auf.

Vor dem Hintergrund einer immer vielfältigeren Droste-Forschung mehrten sich Anfang der 70er Jahre die Stimmen, die eine nach aktuellen editionsphilologischen Gesichtspunkten gestaltete Gesamtausgabe forderten, die der Droste-Forschung eine neue, zuverlässige Arbeitsbasis liefern sollte. Um ein solches Großprojekt einer historisch-kritischen Ausgabe verwirklichen zu können, mußten einige Voraussetzungen geschaffen werden. Es waren dies zum einen die langfristige Sicherung des Droste-Nachlasses in Münster, zum anderen der Aufbau einer leistungsfähigen Arbeitsstelle. Der erste Schritt wurde 1968 vollzogen, als die Berliner Staatsbibliothek neue Eigentümerin des Droste-Nachlasses wurde und diesen als Dauerleihgabe in der Universitätsbibliothek Münster deponierte. Damit war die wissenschaftliche Auswertung des Nachlasses vor Ort möglich geworden. Der zweite Schritt erfolgte 1970, als an der Universität Münster die Droste-Forschungsstelle eingerichtet wurde. Vordringliche Aufgaben waren zunächst der Aufbau einer Forschungsbibliothek, die bibliographische Erfassung von Primär- und Sekundärliteratur sowie die Sichtung und Auswertung des Droste-Nachlasses.

Mit den geschilderten Aktivitäten war der Boden bereitet für die Realisierung einer neuen umfassenden Droste-Gesamtausgabe. 1977 konnte schließlich - nach fast zehnjähriger Vorbereitung - das Projekt der "Historisch-kritischen Ausgabe der Werke und Briefe Annette von Droste-Hülshoffs" unter der Herausgeberschaft von Prof. Winfried Woesler auf den Weg gebracht werden. Das Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, dem Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Münster finanziert. Der erste Band der Droste-HKA erschien 1978, der letzte ist im Herbst 2000 zur Publikation gelangt.

Eine historisch-kritische Ausgabe gilt als das wichtigste und sicherlich aufwendigste Instrument wissenschaftlicher Traditionspflege. Unter Berücksichtigung des gesamten handschriftlichen Nachlasses versucht die Droste-Ausgabe mit dem Anspruch der Vollständigkeit das Gesamtwerk der Autorin, einschließlich ihres musikalischen Wirkens, von Grund auf zu erschließen und zu dokumentieren. Die Ausgabe gliedert sich in die Abteilungen Werke, Briefwechsel und Addenda (Musikalien, Bibliographie). Sie umfaßt insgesamt 28 Teilbände.

Wichtigstes Ziel der Ausgabe ist die Präsentation eines wissenschaftlich gesicherten Textes. Zu diesem Zweck wurden jeweils alle in Frage kommenden Textträger (Handschriften, Abschriften, Drucke) eingehend geprüft. Der gesicherte Droste-Text erscheint, bereinigt von Druckfehlern, Schreibversehen oder anderen äußeren Einflüssen, in originaler Orthographie und Interpunktion. Jeder Textband wird von einem Dokumentationsband begleitet, in dem die Entstehungszusammenhänge sowie die Überlieferung der Texte ausführlich dargestellt sind. Hier werden auch alle Eingriffe des Editors in den Text festgehalten und begründet. Außerdem findet sich ein detailliertes Verzeichnis aller Varianten. Hinzu kommt ein umfangreicher Einzelstellenkommentar, der die historische Distanz zwischen Werk und Rezipient zu verringern hilft und es dem Leser erleichtert, die Texte heute noch zu verstehen.

Die Arbeit an der HKA hat eine Vielzahl von neuen, zum Teil überraschenden Erkenntnissen zum Leben und Werk der westfälischen Dichterikone zutage gefördert. Es konnten z.B. ihre anonymen Anteile an Werken anderer Schriftsteller genau bestimmt werden. Eine Reihe bisher unbekannter Briefe wurde ermittelt, und es gelang die genaue Zuweisung und Datierung einzelner Textfragmente. In einigen Fällen mußte auch konstatiert werden, dass bisher der Droste zugeschriebene Werke in Wirklichkeit gar nicht von ihr stammen.

Große Teile der Biographie der Autorin konnten neu konturiert werden. Insgesamt hat die detailgetreue Arbeit zu einem wesentlich differenzierteren Droste-Bild geführt, in dem das bisher verbreitete Klischee der einsamen, konservativen Heimatdichterin keinen Platz mehr hat. Es ist sicherlich auch ein Verdienst der historisch-kritischen Forschungsarbeit, dass heute im Zusammenhang mit der Droste von einer modernen, weltoffenen, in Teilen radikalen und genialen Dichterin gesprochen wird, die ihrer Zeit in vielem voraus war.